17. Februar 2020 | Ideen Pfadfindergesetze

Werte entdecken – unser wertvoller Ort

Das Pfadfindergesetz ist ein ethischer Minimalcodex, den der Gründer der Pfadfinderbewegung – Baden-Powell – seinen Pfadfindern mitgegeben hat.

Es geht für uns FeG Pfadfinder nicht darum, diese Pfadfindergesetze einfach unreflektiert umzusetzen – das wäre in der Praxis auch überhaupt nicht möglich, da sie viel zu allgemein formuliert sind, um sie ohne eigenes Nachdenken im Alltag zu integrieren.

Daher wollen wir sie als Herausforderung betrachten, uns mit dem Werten und Tugenden auseinanderzusetzen, die unser Handeln und Denken bestimmen – von denen wir uns leiten lassen wollen. Dabei kann es sein, dass jeder in der Gruppe – trotz einer Einigkeit in der Gruppe über die generelle Bedeutung eines Wertes – ein ganz eigenes Verständnis oder spezielle Interpretationen und Schwerpunktsetzungen mitbringt. Genau diese kleinen Unterschiede sind es, die unser Zusammenleben manchmal herausfordern, bereichern, zu neuen Verständnissen für einander oder auch zu Irritationen führen. Nur im gemeinsamen Gespräch können wir herausfinden, was der andere meint oder aufgrund welcher Erfahrungen er ein spezielles Verständnis mitbringt.

Bevor wir uns aber den Pfadfindergesetzen im Speziellen zuwenden, machen wir uns einmal auf eine kleine Reise, um herauszufinden, welche Werte uns im Leben besonders wichtig sind. Einige Werte werden uns vielleicht direkt in den Sinn kommen, weil sie uns schon lange begleiten. Andere sind uns nicht immer sofort bewusst, weil sie sich verstecken. Diese Werte können wird z.B. finden, wenn wir uns auf das konzentrieren, was uns ärgert.

Folgende Übung kann euch helfen, herauszufinden, welche Werte ihr persönlich für wichtig haltet.

Nehmt euch ein großes Blatt Papier. Am besten klebt ihr mehrere Tapetenrollen oder Flipchart-Bögen zusammen. Ihr braucht je nach Gruppe bestimmt mehrere Quadratmeter. Diese weiße Fläche ist eure Stadt, euer Dorf – der Ort an dem ihr lebt. Dort ist eure Schule, euer Arbeitsplatz, eure Gemeinde, die Feuerwehr, das Krankenhaus, der Bäcker, der Supermarkt. Dort leben die Menschen, die – na die eben einfach in eurer Umgebung leben.

Fangt gemeinsam an, das Leben in eurer Stadt zu malen. Und ihr lebt dort mitten drin. Malt aber nicht das Leben, wie es ist, sondern so, wie ihr es euch vorstellt. Es muss nicht unbedingt das „Paradies auf Erden“ sein, aber das Leben, wie ihr es euch wünscht. Malt die Begegnungen der Menschen, wie ihr sie liebt. Malt aber auch die Begegnungen der Menschen, so wie ihr sie euch wünscht. Wenn ihr an eine positive Erfahrung denkt, mal sie, so dass deutlich wird, warum diese Erfahrung oder Begegnung für euch ein Vorbild ist. Wenn ihr an eine negative Situation denkt, dann malt sie so, wie ihr sie euch gewünscht hättet oder für die Zukunft wünscht. Lasst euch viel Zeit zum Malen. Vielleicht eine halbe oder dreiviertel Stunde.

Da man nicht immer aus dem Gemalten direkt erkennen kann was gemeint ist, nehmt ihr euch anschließend (!) noch einmal genauso viel Zeit und sprecht über die Situationen und Begegnungen, die ihr gemalt habt. Versucht gemeinsam in der Gruppe zu überlegen, welcher Wert oder welche Tugend hinter dieser Situation steht. Sammelt die verschiedenen Werte und Tugenden auf einem extra Plakat.

Überlegt nun gemeinsam, was ihr als Pfadfindergruppe oder was jeder Einzelne dazu beitragen kann, diese Werte im Alltag zu leben und so das eigene Leben und das des anderen wertvoller zu machen.

 

Weiterführung in der Folgestunde: „Alte“ Werte entdecken

Das Buch der Sprüche ist eines der Bücher der Bibel, das ihr gut gemeinsam am Lagerfeuer lesen könnt. Es ist eine Sammlung vieler Weisheitssprüche, die schon einige tausende Jahre alt sind. Nehmt euch ein Kapitel vor und lest es Vers für Vers. Überlegt nach jedem Vers, was hinter der Aussage steckt und welcher Wert dort vermittelt wird. Einige Verse kann man eins zu eins auch heute noch so formulieren. Andere würden wir heute vielleicht anders ausdrücken, weil wir keine Diener oder Könige haben oder unser Rechtssystem eine andere Sprache findet. Wenn ihr das Buch der Sprüche lest, nehmt euch verschiedene Übersetzungen mit. Die Sprüche sind ursprünglich im Hebräischen abgefasst. Bei manchen Versen haben die Übersetzer Schwierigkeiten, die ursprüngliche Bedeutung zu erfassen und dann in unsere Sprache zu übersetzen oder zu übertragen. Verschiedene Übersetzungen können euch helfen, die Bedeutung zu erfassen.

Versucht euch mal an Kapitel 17. Lest Vers für Vers und sprecht darüber, was der Weisheitsspruch bedeutet. Wie würdet ihr die Aussage in eigenen Worten aufschreiben? Kann man den Weisheitsspruch noch heute anwenden? Und wenn ja wie?